2012

Drittes Dialogforum der REWE Group: Raus aus der Nische – wie Nachhaltigkeit für Verbraucher attraktiv wird

Wie kommen nachhaltigere Produkte aus der Nische heraus in die Mitte der Gesellschaft? Auf welche Herausforderungen stößt der Handel bei diesem Vorhaben und wie kann er seine Kunden für die Thematik sensibilisieren?

Diese und weitere Fragen diskutierten Verbraucher, Politiker und Nichtregierungsorganisationen sowie Industrie beim dritten Dialogforum der REWE Group unter dem Motto „Raus aus der Nische – wie Nachhaltigkeit für Verbraucher attraktiv wird“. Dabei stellte die REWE Group die Erwartungen der Konsumenten in den Mittelpunkt der Diskussionen. Hierzu hatte der Handels- und Touristikkonzern im Vorfeld der Veranstaltung Verbraucher um ihre Anregungen sowie Ideen gebeten und sie gezielt eingeladen, um gemeinsam zum Thema nachhaltigerer Konsum zu diskutieren. Insgesamt erschienen am 30. August 2012 rund 600 Gäste im Bonner World Conference Center. Prominente Teilnehmer waren unter anderem Joschka Fischer (Bundesaußenminister a. D.), Dr. Auma Obama (Vorsitzende der SAUTI KUU-Stiftung), Arved Fuchs (Autor und Erlebnisreisender) sowie Cem Özdemir (Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Moderiert wurde das Forum von der ZDF-Moderatorin Dunja Hayali.

Auch in den Vorträgen und Gesprächen am Tag des Dialogforums wurden die im Vorfeld aufgeworfenen Themen und Fragen erneut aufgegriffen. Gemeinsam diskutierten hierzu Vertreter von NGOs, aus Wissenschaft und Politik mit Kunden und REWE Group-Mitarbeitern und suchten nach Antworten sowie Lösungsansätzen. An dieser Stelle wollen wir die auf der Dialog-Website am häufigsten genannten Themen aufgreifen und eine kurze Zusammenfassung der Diskussionen am Veranstaltungstag geben.

Zur Gesamt-Dokumentation des Dialogforums 2012 als PDF

 

Reaktionen auf Ihre Fragen und Beiträge 2012

Zielgerichtete Informationen für den Verbraucher

Vor allem in den Workshops Food waste, Kakao und Haselnüsse, Ressourcenschonung und Tierhaltung wurde intensiv darüber diskutiert, wie sich die Informationen für den Verbraucher verbessern lassen. Die Teilnehmer sahen Produzenten und Handel in der Verantwortung, Handlungsspielräume und Risiken für den Verbraucher zu thematisieren. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Verbraucher sich bevorzugt bei den Medien und NGOs informieren. Gütesiegel, Informationen auf Verpackungen und am Regal, aber auch Handzettel und Broschüren seien ebenfalls hilfreich. Dabei gelte es, klar, prägnant und transparent zu kommunizieren und in einem zweiten Schritt ausführlichere Informationen im Internet bereitzustellen. Auch die Art der Informationsvermittlung im Internet sei entscheidend: Durch spezielle Verbrauchsrechner, interaktive Plattformen sowie die Einbindung von Ton- und Bildmaterial könne die Zugänglichkeit zu dem Thema Nachhaltigkeit für den Verbraucher verbessert und Informationen gezielter vermittelt werden.

Sensibilisierung der Verbraucher

Insbesondere in den Workshops Food waste und Touristik sowie in der Podiumsdiskussion wurde die Frage nach der Sensibilisierung der Verbraucher gestellt: Wie sollte das Thema Nachhaltigkeit aufbereitet werden, um den Verbraucher verstärkt dafür zu sensibilisieren und sein Interesse zu wecken? Dies gelänge durch eine aktivere Einbindung und Ansprache des Verbrauchers durch das Unternehmen und sein Personal. Informationen zum gesellschaftlichen Engagement sowie deren prominente Platzierung mit konkreten Beispielen auf der Website der Unternehmen sind weitere Empfehlungen. Am wichtigsten jedoch: nicht verkomplizieren, nicht überzeichnen. Probleme und Schwierigkeiten sollten thematisiert werden, aber „Sachlichkeit geht vor Ideologie“, so einer der Beiträge. Gleichzeitig dürfen auch bisher erzielte Erfolge dargestellt werden. Erlebe der Verbraucher, dass durch eine nachhaltigere Lebensweise tatsächlich Erfolge erzielt werden, werde er für eine bewusstere Auswahl und Entscheidung sensibilisiert – „gutes Gewissen“ statt „schlechtes Gewissen“ sei der Auftrag.

Der „persönliche Beitrag“ des Einzelnen

Ein viel angesprochener und immer wiederkehrender Aspekt in der Diskussion um nachhaltigeren Konsum ist die Frage nach dem individuellen Nutzen und dem Mehrwert für den Einzelnen. Auch in den Workshops Food waste und Ressourcenschonung wurde dieser Aspekt aktiv thematisiert. Zentrale Fragen waren: Wie kann ich meinen „persönlichen Beitrag“ gestalten? Wo liegt der Nutzen für mich? Ob man sich für eine bewusstere Lebensweise entscheide und diese umsetze, sei auch eine Frage der persönlichen Einstellung und Bereitschaft. Wichtig dabei: individuellen Nutzen von nachhaltigerem Handeln erkennen. Spare ich Zeit, Sprit und tue etwas für meine Gesundheit, wenn ich öfter Fahrrad fahre? Dankt es mir mein Geldbeutel, wenn ich weniger und bewusster einkaufe? So könne der Verbraucher entscheiden, wie er seinen „persönlichen Beitrag“ durch kleine Änderungen seiner Lebens- und Konsumgewohnheiten leisten kann, der auch der Gemeinschaft zugutekommt.

Frühe Bildung für nachhaltigen Konsum

Um nachhaltigeren Konsum aus der Nische herauszuführen, gilt es vor allem, Kinder und Jugendliche so früh wie möglich an das Thema Nachhaltigkeit heranzuführen. Referenten und Teilnehmer erwogen hierzu mögliche Herangehensweisen. So wurde vor allem diskutiert, wie sich das Thema in der Schulbildung fest verankern lässt und Kinder für einen nachhaltigeren Lebensstil sensibilisiert werden könnten. Das Ergebnis: Nachhaltigkeit muss erlebbar gemacht werden. Kinder sollten spielerisch, nicht mit Zwang, an die Themen Nachhaltigkeit und gesunder Lebensstil herangeführt werden. Außerdem gelte es, mehr „mit ihnen“ statt „über sie“ zu reden. Mögliche Vermittlungsinstanzen seien hier Eltern, Schule und Social Media. Wenn Kinder verstünden, dass sie mit ihrem Verhalten einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, sei es möglich, ihr Konsum- und Entscheidungsverhalten grundlegend an Werte wie Verantwortung und Respekt gegenüber Mensch und Natur zu binden.

Intensive Zusammenarbeit der Akteure im Bereich Nachhaltigkeit

Im Rahmen der Podiums- und Abschlussdiskussion des REWE Group-Dialogforums 2012 wurde insbesondere über den Wunsch nach einer stärkeren und intensiveren Zusammenarbeit der einzelnen Akteure zur Förderung nachhaltigeren Handelns gesprochen. Als Akteure wurden vor allem Produzenten, Lieferanten, Industrie und Händler, aber auch Verbraucher, Politik und nicht zuletzt die Medien identifiziert. So gehe es vor allem darum, die Akteure im Rahmen ihrer Expertise und entsprechend ihrer Kompetenz einzubinden. NGOs und Medien seien bevorzugte Partner in der Verbraucheraufklärung, während der Handel die Aufgabe habe, die Rahmenbedingungen in der Wertschöpfungskette und die Aufklärung der Konsumenten positiv zu beeinflussen. Abschließend wurde übereinstimmend festgestellt: Das Dialogforum als Konzept gehe in die richtige Richtung. Die starke Bereitschaft der Akteure, zusammenzukommen, gemeinsam zu diskutieren und Empfehlungen zu entwickeln, sei zukunftsweisend. Es gelte, diese Bereitschaft zu nutzen, um gemeinsam eine nachhaltigere Entwicklung voranzutreiben.

Preistransparenz besonders für nachhaltigere Produkte

Anhand von Beispielen wie Fleisch- und Wurstwaren diskutierten Referenten und Teilnehmer des Dialogforums 2012 besonders rege die Bedeutung der Preise nachhaltiger Produkte. Denn „nachhaltige Produkte haben das Image, besonders teuer zu sein“ – so eine viel gehörte Bewertung. Immer noch bestünden Unsicherheiten darüber, wie sich die Preise für nachhaltigere Produkte zusammensetzen. Viele Verbraucher wünschten sich deshalb eine klarere Auflistung der Preiszusammensetzung für nachhaltigere Produkte. Damit sollten wichtige Fragen, die den Verbraucher beschäftigen, beantwortet werden: Kommt mehr bei den Bauern und Produzenten an, wenn ich das nachhaltigere Produkt wähle? Welche Folgekosten können vermieden werden, wenn ich mich für ein nachhaltigeres Produkt entscheide? Informationsaufbereitung durch spezielle CO2– und Ressourcenschonungsrechner und eine Ausweisung des Preises einschließlich Folgekosten oder Mehrwert könnten dazu beitragen, Preisakzeptanz zu schaffen oder zumindest ein Umdenken im Preisbewusstsein der deutschen Verbraucher anzustoßen.